Zwei Studenten hatten die Idee

Artikel von Ulrich Porsch aus der Rhein-Neckar-Zeitung vom 26. Juli 2012

In der immer noch recht jungen Sportart Triathlon ist ein Wettkampf, der zum 20. Mal ausgetragen wird, durchaus bereits ein „Traditionsrennen". Das gilt somit für den HeidelbergMan, der am Sonntag (Start um 9.30 Uhr) dieses kleine Jubiläum erreicht – damit wird Deutschlands wohl schönster und womöglich härtester Citytriathlon aber bereits 22 Jahre alt, denn die erste Austragung war bereits 1990. Die Begründer der Triathlonabteilung im SV Nikar, Uli Köhler und Klemens Kirchner, hatten ihren Traum wahr gemacht und ihre Studienstadt auf die Triathlon-Weltkarte gesetzt. 15 Frauen und 220 Männer waren am 16. Juni 1990 ins Ziel im ISSW-Stadion gekommen – als erste Frau übrigens die heute noch bekannte Katja Schumacher bei ihrem ersten Triathlon (zu dem Zeitpunkt war sie Rugby-Nationalspielerin).

Die Schwimmstrecke hat sich seit damals kaum verändert, in jedem Jahr (bis auf 2010, als es wegen der Neckaruferbaustelle und der zu starken Strömung nur einen Duathlon gab) führte sie von der Alten Brücke unter der Heuss-Brücke hindurch zum Neckarvorland. Ursprünglich wurde bis zur Höhe des DLRG-Häuschens geschwommen, seit 2011 ist der Ausstieg an der „Wasserschachtel". Wichtiger als die Streckenlänge ist natürlich die Strömung – in regenreichen Zeiten wurden die ursprünglich 1800 Meter neckarabwärts auch schon in weniger als 15 Minuten absolviert.

Das zweite Kernstück ist die Radstrecke. Hier gibt's die wesentlichsten Änderungen gegenüber der Debütveranstaltung. In den ersten beiden Jahren wurde vom Neckarvorland in Flussrichtung durchs Neuenheimer Feld geradelt, und dann weiter in Richtung Ladenburg/Heddesheim, wo eine oder drei flache Runden auf die Ausdauerdreikämpfer warteten. Diese drei Runden waren dann auch der Grund, dass sich ab 1992 die schon von Anfang an von den Organisatoren gewünschte Radstrecke über den Königsstuhl realisieren ließ. Ein Fehler beim Rundenzählen (aufgedeckt peinlicherweise durch den Vater der Tagesdritten) hatte der Tagesschnellsten Mandy Dean – damals die schnellste Kurztriathletin mit deutschem Pass – den Sieg beim HeidelbergMan 1991 gekostet. Die Aufdeckung der Ungenauigkeit kurz vor der Siegerehrung hatte die damalige Oberbürgermeisterin Beate Weber so beeindruckt, dass sie spontan zusicherte: „Im nächsten Jahr gibt es für den Triathlon eine ordentliche Radstrecke!"

Diese führt seit 1992 über die Alte Brücke, durch die Altstadt am Schloss vorbei auf den Königsstuhl und dreht dort drei (1992 - 1997) oder zwei (seit 1998) Runden. Die letzte kleine Änderung wurde 2005 vorgenommen, die Runde beginnt nun bereits am Schloss und nicht erst auf der Molkenkur.

Auch die Laufstrecke wurde verbessert. In den ersten Jahren war es eine 10 km-Wendepunkt-Strecke in den Handschuhsheimer Feldern mit Ziel im ISSW-Stadion. Mit dem Umzug der Gesamtveranstaltung auf das Neckarvorland 1996 wurde die aktuelle Strecke auf den Philosophenweg eingeführt – zur Freude der Tourismus-Experten und zur Qual für einige Athleten, denn die Steigung über die Albert-Überle-Straße ist nicht ohne, und für die Aussicht aufs Schloss haben nur die Wenigsten ein Auge.

Dem HeidelbergMan war kein unterbrechungsfreies Leben vergönnt, von 1993 bis 1995 wurde er nicht ausgetragen. Erst danach hatten sich nach dem Studienabschluss und Weggang der Gründer Köhler und Kirchner aus Heidelberg neue Menschen gefunden, die sich die hochkomplexe Aufgabe, einen Triathlon in Heidelberg zu organisieren, stellen wollten. Ohne Unterbrechung seit dieser Zeit ist Thomas Möllers vom SV Nikar Heidelberg führend in der Organisation tätig.

Sein Counterpart beim Partner-Verein Ski Club Heidelberg wechselte vor wenigen Jahren – Tobias Pfenning wurde durch Tom Böker ersetzt. Weiterhin behauptet sich der HeidelbergMan in einem Umfeld, das zunehmend durch kommerzielle Eventagenturen beansprucht wird (wie z.B. in Frankfurt, Darmstadt und Heilbronn).

Von Heidelberg nach Hawaii

Wer in Heidelberg gewinnt, auf den wartet häufig eine große Zukunft. Zwei der drei deutschen Hawaii-Sieger hatten zuvor hier gewonnen: Thomas Hellriegel siegte als unbekanntes badisches Talent 1991 in Heidelberg, und 1997 auf Hawaii! Normann Stadler siegte sogar zwei Mal in Heidelberg (2002 und 2007) und auf Hawaii (2004 und 2006), bevor er im letzten Jahr seine Karriere beenden musste.

Die deutschen Meistertitel der Triathlon-Sieger und Siegerinnen aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Katja Schumacher (Rekordsiegerin in Heidelberg mit acht Siegen), Ricarda Lisk (2004), Nina Kuhn (2009) und Jenny Schulz (2010) standen auch national auf dem Treppchen. Ebenso Hellriegel, Michael Brucker (1996), Lothar Leder (2000), Timo Bracht (2001 und 2003) sowie das Freundespaar Sebi Kienle (2006, 2008 und 2009) und Felix Schumann (2010) – alles Meister „made in Heidelberg".